Energieverbrauch muss bis 2050 halbiert werden

Gesundheit & Verbraucher

Dipl.-Architekt und Energieberater Karlheinz Paulus (Miltenberg) referierte auf Einladung der SPD Main-Spessart vor knapp 40 Zuhörern zum Thema „Energieautarker Landkreis“. Aufgezeigt wurde, was mit Erneuerbaren Energien schon jetzt in Deutschland möglich ist und was künftig noch alles möglich sein wird.

Zu Beginn der Veranstaltung begrüßten Christine Scherg (SPD-Vorsitzende Lohr) und MdL Harald Schneider (Vorsitzender der SPD Main-Spessart) Karlheinz Paulus. Scherg wies daraufhin, dass die Veranstaltung insofern zeitlich sehr gelegen käme, da Bundesumweltminister Norbert Röttgen kurz zuvor wieder die Diskussion innerhalb der Bundesregierung um den Ausstieg aus dem Atomausstieg befeuert hatte. Dieser hatte sich für ein Festhalten am Ausstieg aus der Kernenergie ausgesprochen.

MdL Schneider sprach auch einige einleitende Worte und hob hervor, dass das Thema Erneuerbare Energien für die SPD im Landkreis Main-Spessart „nicht neu“ sei. So erwähnte er, dass bereits Karin Roth (ehemalige Hamburger Senatorin für Arbeit, Gesundheit und Soziales/ ehemalige Parl. Staatssekretärin im Bundesverkehrministerium) hier zu diesem Thema referiert habe, ebenso wie der „Umweltpapst“ Hermann Scheer oder auch der anerkannte Umweltexperte Ernst-Ulrich von Weizsäcker. Zudem erwähnte er den Antrag, welchen die SPD-Fraktion im Kreistag zum Thema „Energieautarker Landkreis Main-Spessart“ eingereicht hat.

Karlheinz Paulus begann seinen Vortrag mit einer energiepolitischen Bestandsaufnahme des Landkreises Main-Spessart. Laut Paulus verbrauche jeder der ca. 130.000 Einwohner des Landkreises pro Jahr durchschnittlich 48.000kWh an Energie. Bei einem Preis von 5 Cent pro kWh bedeutet dies, dass in dem betreffenden Gebiet pro Jahr 312.000.000 € ausgegeben werden.

Um eine quasi komplett autarke Energieversorgung bis zur Mitte dieses Jahrhunderts gewährleisten zu können, müsse dieser Verbrauch aber mindestens um die Hälfte gesenkt werden. Ein Schweizer Forschungsinstitut habe festgestellt, dass wir „in Deutschland und Westeuropa eine 5.000-Watt-Gesellschaft sind“, so Paulus. Man müsse aber unbedingt auf 2.000 Watt hinunter, wenn man wirklich Richtung Autarkie gehen wolle.

Zwar sei im Bereich der Erneuerbaren Energie noch einiges zu erforschen, da dies in Deutschland erst seit dem Jahr 2000 möglich sei (Erlass des „Erneuerbare-Energien-Gesetzes“). Dennoch sei das Potenzial von Sonne, Wind und Wasser immens, vor allem vor dem Hintergrund, dass fossile Energien , wie z.B. Erdöl, bald erschöpft seien – ab 2010 ist laut Petrolux Brasilien die Ölförderung nicht mehr zu steigern. Nach Paulus`Einschätzung werde Photovoltaik bis 2015 billiger sein als normaler Strom.

Paulus tritt in Zukunft für eine dezentrale Energieversorgung ein. Dies bedeutet, dass viele kleine Erzeuger vor Ort nebeneinander wirken und den Strom verteilen. Auf diese Weise würde auch das Geld in der Region bleiben.

Besonders anschaulich war das filmische Material, welches Paulus vorführte. So wurde u.a. ein Versuch der Universität Kassel präsentiert, bei dem gezeigt wurde, dass die Energieversorgung in Deutschland durch Erneuerbare Energien auch ohne Atomkraft möglich wäre. Weiter wurden einige Kommunen (beispielsweise das baden-württembergische Freiamt) vorgestellt, welche schon jetzt so gut wie energieautark arbeiten.

Schließlich berichtete Paulus noch über den „Verein Energieforum Miltenberg“, bei dem er Mitglied ist. Mit diesem werden Kontakte zu energieautarken Kommunen, zu verschiedenen Landkreisverwaltungen und auch zu regionalen Energieversorgern hergestellt. Der Verein möchte auf die Wichtigkeit der Erneuerbaren Energien aufmerksam machen. Es sei wichtig, dass sich v.a. kommunale Politiker für die Sache einsetzten, so Paulus.

Zum Ende der Veranstaltung richtete auch Kreisrätin Heidi Wright noch ein paar Worte an die Anwesenden. Sie plädierte dafür, dass dieses Thema weiter diskutiert werde und man sich für Erneuerbare Energien im Landkreis MSP stark machen müsse. Viele Landwirte und Bewohner ländlicher Gegenden würden schon auf Solar- und Windenergie setzen. Nun müsse auch die restliche Bevölkerung dafür begeistert werden, so Wright.

Sicherlich nahmen die Teilnehmer aus dieser Veranstaltung – bei der teilweise auch kontrovers diskutiert wurde – einige Anregungen mit nach hause.

 
 

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